Ausbildung zum Notfallsanitäter

Am 27.05.2013 wurde das Notfallsanitätergesetz im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und ist nun mehr rechtskräftig. In Kraft getreten ist es am 01.01.2014. Das Rettungsassistentengesetz wird zum 31.12.2014 außer Kraft treten. Mit dem Berufsbild Notfallsanitäter wurde ein neuer, dreijähriger Ausbildungsberuf geschaffen, welcher den aktuellen Anforderungen an das Personal im Rettungsdienst entspricht.

Ausbildungsziel

Die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter findet entsprechend dem allgemein anerkannten Stand rettungsdienstlicher, medizinischer und weiterer bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse fachliche, personale, soziale und methodische Kompetenzen zur eigenverantwortlichen Durchführung und teamorientierten Mitwirkung insbesondere bei der notfallmedizinischen Versorgung und dem Transport von Patientinnen und Patienten vermitteln. Dazu wird zukünftig auch, unter bestimmten engen Vorgaben, die Durchführung bisher dem Arzt vorbehaltener invasiver Maßnahmen in akut lebensbedrohlichen Situationen zählen.
Insgesamt ist die Ausbildung, analog der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, wesentlich breiter angelegt und bezieht alle Umstände des Lebensumfeldes eines Patienten mehr als das bisher die Ausbildung zum Rettungsassistenten erreichen konnte. Eine Ausbildung in Teilzeitform ist ebenfalls möglich und muss innerhalb von fünf Jahren abgeschlossen sein.

Fortbestehen Berufsbezeichnung Rettungsassistent

Alle bis zum 31.12.2014 begonnenen Ausbildungen zum Rettungsassistenten können nach den Vorschriften des Rettungsassistentengesetzes abgeschlossen werden. Rettungsassistenten dürfen auch nach Außerkrafttreten des RettAssG ihre Berufsbezeichnung weiter führen (§ 30 NotSanG). In welcher Position Rettungsassistenten nach 2014 im Rettungsdienst eingesetzt werden, entscheidet sich erst nach Änderung der einzelnen Landesrettungsdienstgesetze, denn diese legen die Besetzung der Rettungsmittel fest. Es ist davon auszugehen, dass die bisherigen Rettungsassistenten, welche keine Weiterbildung zum Notfallsanitäter besuchen, langfristig im Aufgabenbereich eines Rettungssanitäters weiter tätig sein werden.

Übergangsvorschriften für Rettungsassistenten

Für zum Zeitpunkt des Inkrafttretens tätige Rettungsassistenten sind Übergangsvorschriften geschaffen worden, die je nach bisheriger Dauer einer Tätigkeit als Rettungsassistent unterschiedliche Wege zur Weiterqualifikation zum Notfallsanitäter aufzeigen:

  • Berufliche Erfahrung über 5 Jahre
    Rettungsassistenten die mehr als fünf Jahre Tätigkeit nachweisen, können innerhalb von sieben Jahren an einer Ergänzungsprüfung (praktisch und mündlich) zum Notfallsanitäter teilnehmen. Dabei werden die Ausbildungsinhalte geprüft, die den Notfallsanitäter vom Rettungsassistenten unterscheiden.

  • Berufliche Erfahrung über 3 Jahre
    Rettungsassistenten mit weniger als fünf, aber mehr als drei Jahren Tätigkeit, können nach Absolvierung einer weiteren Ausbildung von 480 Stunden an der Ergänzungsprüfung (praktisch und mündlich) zum Notfallsanitäter teilnehmen. Diese weitere Ausbildung beinhaltet jeweils 50 Prozent theoretischen Unterricht sowie 50 Prozent Praktika in der Klinik und auch auf einer Lehrrettungswache.

  • Berufliche Erfahrung unter 3 Jahre
    Rettungsassistenten mit weniger als drei Jahren Tätigkeit können nach Absolvierung einer weiteren Ausbildung von 960 Stunden an der Ergänzungsprüfung (praktisch und mündlich) zum Notfallsanitäter teilnehmen. Diese weitere Ausbildung beinhaltet jeweils 50 Prozent theoretischen Unterricht sowie 50 Prozent Praktika in der Klinik und auch auf einer Lehrrettungswache.

Ergänzungsprüfung für zum Zeitpunkt des Inkrafttretens fertig ausgebildete Rettungsassistenten

Die Ergänzungsprüfung besteht aus einem mündlichen und einem fachpraktischen Teil. Dabei sind folgende Themenbereiche Bestandteil der mündlichen Prüfung:

  1. Kommunikation und Interaktion mit sowie Beratung von hilfesuchenden und hilfebedürftigen Menschen unter Berücksichtigung des jeweiligen Alters sowie soziologischer und psychologischer Aspekte,

  2. Handeln im Rettungsdienst an Qualitätskriterien ausrichten, die an rechtlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Rahmenbedingungen orientiert sind,

  3. bei der medizinischen Diagnostik und Therapie mitwirken, lebenserhaltende Maßnahmen und Maßnahmen zur Abwendung schwerer gesundheitlicher Schäden bis zum Eintreffen der Notärztin oder des Notarztes oder dem Beginn einer weiteren ärztlichen Versorgung durchführen.

Für jeden einzelnen Prüfling soll die mündliche Prüfung mindestens 30 und nicht länger als 40 Minuten sein.

Der praktische Teil der Ergänzungsprüfung erstreckt sich auf die Übernahme aller anfallenden Aufgaben einer fachgerechten rettungsmedizinischen Notfallversorgung in zwei Fallbeispielen, von denen eines aus dem Bereich der traumatologischen Notfälle und eines aus dem Bereich der internistischen Notfälle stammt.

Sowohl der mündliche Teil wie auch jedes der beiden Fallbeispiele müssen mit mindestens „bestanden“ bewertet sein, um die Ergänzungsprüfung zu bestehen.

Prinzipiell können alle Rettungsassistenten auch ohne an einem Ergänzungslehrgang teilgenommen zu haben an einer kompletten staatlichen Prüfung teilnehmen um Notfallsanitäter zu werden.

Geplanter Ausbildungsablauf 4600 Stunden (drei Jahre)

  • Schule 1920 Stunden
    Die Notfallsanitäterschulen werden vollumfänglich die Ausbildungsinhalte der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung umsetzen. Es werden dem angehenden Notfallsanitäter umfangreiche Kenntnisse zu medizinischen aber auch nicht-medizinischen Themen vermittelt. Auch allgemeinbildende Inhalte wie „Medical English“ gehören dazu.

  • Rettungswache 1960 Stunden
    Da die Notfallsanitäterausbildung viel enger zwischen den einzelnen Ausbildungsabschnitten verzahnt ist als die bisherige Rettungsassistentenausbildung, kommt der Ausbildung auf der Rettungswache eine besondere Bedeutung zu. Dieses zeigt sich auch im Text des Notfallsanitätergesetzes, welches die Ausbildungshoheit und die Verantwortung der Ausbildung auch in diesem Abschnitt bei der Schule sieht. Die Gesamtverantwortung für die Ausbildung trägt somit die Schule. Dabei unterstützt die Schule die Praxis-Einrichtungen durch Praxisbegleitung durch die Lehrkräfte. Dieses Verfahren hat sich bereits in der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung bewährt.

  • Klinik 720 Stunden
    Im Klinikpraktikum sollen die in der Theorie erworbenen Kenntnisse zu allgemeinen wie auch invasiven Maßnahmen trainiert und gefestigt werden. Auch die Einschätzung, Überwachung und Betreuung sowie die Kommunikation mit Patienten können im klinischen Umfeld ausreichend erlernt werden. Der zukünftige Auszubildende wird dazu in verschiedenen stationären Bereichen eingesetzt. Auch die Psychiatrie und die Gynäkologie gehören dazu. Dabei werden die Auszubildenden durch geeignetes Pflegepersonal sowie Ärzte angeleitet. Auch in der klinischen Ausbildung unterstützt die Schule das dortige Personal durch Praxisbegleitung in Form regelmäßiger Besuche in der Praktikumsstelle.

  • Staatliche Prüfung
    Die staatliche Prüfung zum Notfallsanitäter besteht aus einem schriftlichen, einem praktischen und einem mündlichen Teil. Es gibt drei schriftliche Aufsichtsarbeiten, diese werden jeweils 120 Minuten dauern. Insgesamt sind vier Fallbeispiele zu lösen, jedes Fallbeispiel in nicht länger als jeweils 40 Minuten. Eines der Fallbeispiele muss aus dem Bereich der internistischen Notfälle, eines aus dem Bereich der traumatologischen Notfälle und eines aus dem Bereich Herzkreislaufstillstand mit Reanimation stammen. Bei mindestens einem Fallbeispiel ist die Prüfung zusätzlich auf das praktische Vorgehen bei der Auswahl der Zielklinik, auf die Zusammenarbeit mit der Leitstelle, die Anmeldung in der stationären Versorgungseinrichtung und die Übergabe in diese zu erstrecken. Jedes Fallbeispiel wird durch ein Fachgespräch ergänzt. In diesem hat der Prüfling sein Handeln zu erläutern und zu begründen sowie die Prüfungssituation zu reflektieren. In der mündlichen Prüfung hat der Prüfling seine berufliche Handlungskompetenz, die sich in den Dimensionen Fach-, Sozial- und Selbstkompetenz entfaltet, nachzuweisen. Die mündliche Prüfung dauert mindestens 30 und maximal 40 Minuten pro Prüfling. Jeder einzelne der Prüfungsteile muss mit mindestens „ausreichend“ bestanden werden. Jeder Teil kann einmal wiederholt werden bei Nichtbestehen.

  • Ausbildungs- und Prüfungsverordnung
    Am 13.06.2013 hat das Bundesministerium für Gesundheit einen Referentenentwurf zur zukünftigen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung veröffentlicht. In diesem wird genauer auf die Dauer und die Inhalte der Ausbildung eingegangen.

  • Staatliche Anerkennung von Schulen
    Nach § 31 NotSanG werden die bisherigen staatlich anerkannten Rettungsassistentenschulen zu staatlich anerkannten Notfallsanitäterschulen, sofern die Voraussetzungen zur Anerkennung erfüllt sind. Dies dürfte bei allen zurzeit staatlich anerkannten Rettungsassistentenschulen der Fall sein. Ergänzungsprüfungen werden an durch die zuständige Behörde ausgewählten Rettungsdienstschulen stattfinden. Sobald ResQuality diese Anerkennung hat, werden wir die entsprechenden Ergänzungslehrgänge anbieten. Ein definitiver Ausbildungsbeginn zur Komplettausbildung zum Notfallsanitäter ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Zudem ist davon auszugehen, dass zunächst die Weiterbildung der jetzigen Rettungsassistenten im Vordergrund stehen wird.

    Ein Ausbildungsbeginn der ersten regulären Ausbildung (4600 Stunden) zum Notfallsanitäter wird nicht vor Herbst 2014 zu erwarten sein.
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